Schule bewegt

Zeitungsarktikel vom 25.9.2010 im Sarganserländer

 

 

Schulweg zu Fuss erleben

 

Sicher zu Fuss in die Schule und zurück: Im Rahmen des Projekts „Schule bewegt“ haben die 28 Schüler von Flums-Kleinberg einen Morgen erlebt, der die körperliche Bewegung und Aufnahmefähigkeit ebenso begünstigt wie das soziale Verhalten.

 

 

 Mittwochmorgen um 7.30 Uhr im Stegen auf Clevelau. Dort wo im Normalfall der Schulbus vorfährt, wartet Alexandra Zaugg auf die Drittklässlerin Alessia. Ausgerüstet ist die Lehrerin mit einer leuchtend-orangen Weste, einem Kartonschild mit der Aufschrift „Pedibus“ sowie einem Seil. Der Pedibus, das haben die 28 Schüler im Rahmen des Projekts „Schule bewegt“ erfahren, ist kein richtiger Bus, sondern ein „Schulbus auf Füssen“. Er steuert in Begleitung von mindestens einer erwachsenen Person nach festem Fahrplan bestimmte Haltestellen an und führt die „zusteigenden“ Kinder zur Schule und zurück. Die Idee ist dabei, dass die Kinder möglichst gefahrlos ihren Schulweg zu Fuss erleben dürfen.

 

„Bitte einsteigen!“

Ein wunderschöner Tag erwacht. Die Spitzen der Churfirsten leuchten in zartem Rosa. Die Luft ist frisch. Alessia winkt ihrer Mutter, bevor sie zusammen mit Alexandra Zaugg die Pedibus-Reise Richtung Schulhaus in Angriff nimmt. Die zweite Haltestelle ist im Davadell, wo Patrik, Andrea, Bettina und Eliane „zusteigen“. Zehn Minuten vor Acht erreicht die Gruppe Unterstein. Dort wartet die Kindergärtlerin Leonie. Die letzte Haltestelle ist im Hof. „Tütatoo, bitte einsteigen“, ruft Alexandra Zaugg fröhlich den Geschwistern Carmen, Corinne und Dagmar zu. Kühe hier, Schafe dort. Zwischendurch ein bellender Hund. „Das ist Tina“, meint ein Kind und streicht dem Tier über den Rücken. Die Hände am Seil geht’s Kurve um Kurve höher. Ab und zu kommt ein Auto. Dann muss der Pedibus anhalten. „Ä schüni Idei“, kommentiert Carmen das Projekt. Lieder werden angestimmt. „Das isch de Fuess-Blues“, tönt’s anfangs noch etwas zurückhaltend. Bald werden die Stimmen lauter. „Ein Hut, ein Stock, ein Minirock“ wird gesungen. Später „Ich schenk dir einen Regenbogen“.

 

Hat Schulbus ausgedient?

Doch wo ist der Rest der Schule? Die 15 Mädchen und Buben, die in Begleitung der Lehrkräfte Jenny Schnider und Pius Casanova den Weg von Schönhalden und Portels unter die Füsse genommen haben? Fast zeitgleich treffen die Schulkameradinnen und –kameraden im Rutz ein. „Ein ausgezeichnetes Timing“, freut sich Janette Eberle, Schulrätin und Präsidentin Verein Tagesschule Flums-Kleinberg, die für die „Tankstelle“ verantwortlich zeichnet. Herzhaft wird in Äpfel gebissen und Süssmost getrunken. Dann wird wieder zum Seil gegriffen und Lehrer und Schüler nehmen die letzte Etappe zum Schulhaus gemeinsam in Angriff.

Hat der Schulbus auf Flums-Kleinberg ausgedient? Werden die Schüler künftig den Weg Richtung Schulhaus zu Fuss bewältigen? „Nein, das wäre aufgrund der langen Wege nicht praktizierbar“, sagt Janette Eberle. Bewegung habe an der Schule Flums-Kleinberg einen grossen Stellenwert. Gezielt zwischen Lektionen eingebaut, verbessere sie nicht nur die physische und psychische Verfassung, sondern erhöhe auch die Konzentration.

 

Tag der offenen Türe

Die idyllisch gelegene Schule in Flums-Kleinberg bietet ab August 2011 Tagesstrukturen für Kindergarten- und Primarschulkinder an. Interessierte Eltern, die ihre Kinder an einem kindgerechten und strukturierten Ort von qualifizierten Personen betreuen lassen möchten, können am Samstag, 20. November, unverbindlich Einblick in die Mehrklassenschule nehmen. In der Tagesschule werden Kinder nach Wunsch von Montag bis Freitag jeweils von 7.00 bis 17.45 Uhr betreut. Das Ferienangebot mit verschiedenen Themenwochen erstreckt sich über sieben bis acht Wochen. Anmeldungen nimmt bis Ende Februar Alexandra Zaugg (alexandra.zaugg@schuleflums.ch) entgegen.

 

 

Helen Baur-Rigendinger